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Pädagogik am Limit, trotzdem mittendrin

Aktuelles · 28. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Von der Seele geschrieben

Ein Beitrag von Sabine Fink-Pomberger, Landesobfrau des CLV Salzburg

Es gibt Tage, an denen Schule erstaunlich wenig mit dem zu tun hat, was wir uns unter guter Pädagogik vorstellen.

Zu viele Aufgaben, zu wenig Zeit, wachsende Erwartungen, immer neue Projekte, Dokumentationen und Herausforderungen. Dazu kommen Kinder und Jugendliche, die mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen, Sorgen und Bedürfnissen in die Schule kommen. Und Lehrpersonen, die längst nicht mehr nur unterrichten, sondern begleiten, vermitteln, organisieren, beraten, auffangen und manchmal einfach nur versuchen, den Überblick zu behalten.

Pädagogik ist anspruchsvoll geworden. Vielleicht anspruchsvoller, als wir sie uns leisten können. Denn guter Unterricht braucht Zeit. Beziehungen brauchen Zeit. Zuhören braucht Zeit. Fehler machen und daraus lernen braucht Zeit. Genau diese Ressource wird im Schulalltag jedoch zunehmend knapp.

Was „Pädagogik am Limit“ bedeutet

Pädagogik am Limit bedeutet für mich nicht, dass Lehrpersonen zu wenig leisten. Im Gegenteil. Es bedeutet, dass viele längst mehr leisten, als dauerhaft zumutbar ist. Darüber müssen wir sprechen, offen und ohne Schuldzuweisungen. Nicht, um Schule schlechtzureden, sondern weil wir sie ernst nehmen.

Was in der Schule täglich gelingt

Denn gleichzeitig passiert jeden Tag etwas Bemerkenswertes: Schülerinnen und Schüler lernen. Sie wachsen über sich hinaus. Lehrpersonen finden kreative Lösungen, wenn die vorgesehenen längst nicht mehr funktionieren. Ein einzelner Satz einer Lehrperson kann einen schlechten Tag verändern, manchmal sogar mehr als das.

Diese Seite der Schule darf in der Debatte über Belastungen nicht verloren gehen.

Wir sollten deshalb nicht nur fragen: Was läuft falsch? Sondern auch: Was gelingt bereits und was brauchen Menschen in der Schule, damit es weiterhin gelingen kann?

Weniger vom Immer mehr, mehr vom Wesentlichen

Vielleicht liegt darin eine der wichtigsten Aufgaben für die Zukunft:

  • Weniger Aktionismus, mehr Zeit für Unterricht.
  • Weniger Bürokratie, mehr Beziehung.
  • Weniger Einzelkämpfertum, mehr Zusammenarbeit.
  • Und vor allem: mehr Vertrauen in jene Menschen, die täglich Schule gestalten.

Pädagogik darf anstrengend sein, sie darf herausfordern, sie darf uns auch an Grenzen bringen, aber sie darf nicht dauerhaft über die Grenzen der Menschen gehen, die sie tragen.

Schule kann nicht alles auffangen

Schule hat nicht auf alles eine Antwort und sie kann auch nicht alles auffangen. Immer mehr gesellschaftliche Herausforderungen erreichen das Klassenzimmer und immer häufiger lautet die Erwartung: Die Schule muss etwas tun. Natürlich muss sie das, denn sie ist ein zentraler Ort unserer Gesellschaft.

Doch genau darin liegt eine Gefahr. Wenn Schule immer mehr für gesellschaftliche Probleme zuständig gemacht wird, droht ihr eigentlicher Auftrag, nämlich Bildung zu ermöglichen, aus dem Blick zu geraten. Wir Lehrpersonen erleben diese Entwicklung jeden Tag.

Was kommt dafür weg?

Denn Zeit und Aufmerksamkeit sind nicht unendlich. Auch die Belastbarkeit von Lehrpersonen ist nicht unendlich.

  • Schule kann über psychische Gesundheit sprechen, aber sie kann nicht die gesamte psychosoziale Versorgung ersetzen.
  • Schule kann Medienkompetenz vermitteln, aber sie kann nicht die Verantwortung von Eltern, Plattformen und Politik übernehmen.
  • Schule kann demokratische Werte vermitteln, aber sie kann gesellschaftliche Konflikte nicht alleine lösen.

Das ist keine Absage an Verantwortung, sondern eine Frage der Verantwortung. Denn wenn wir alles zur Aufgabe der Schule erklären, riskieren wir, dass sie ihren Kernauftrag immer weniger erfüllen kann. Wir Lehrpersonen müssen deshalb Grenzen setzen.

Grenzen setzen heißt Prioritäten setzen

Nicht gegen die Gesellschaft oder die Schülerinnen und Schüler, sondern für Bildung.

Grenzen zu setzen bedeutet, Prioritäten zu schaffen, und es bedeutet zu klären, was Schule leisten soll, wo unsere pädagogische Verantwortung liegt und wo es andere Institutionen, Berufsgruppen oder politische Entscheidungen braucht. Diese Abgrenzung ist kein Rückzug, ich nenne es Professionalität. Lehrpersonen und Schulleitungen brauchen den Mut, Grenzen zu ziehen und den Rückhalt, Prioritäten zu setzen.

Ein Ort, an dem Zukunft entsteht

Schulen sind nicht die Reparaturwerkstatt für alle gesellschaftlichen Probleme, sondern ein Bildungsort, an dem junge Menschen Wissen erwerben, kritisch denken, Fragen stellen und ihre eigene Zukunft gestalten lernen.

Deshalb ist es der Moment für eine ehrliche Bestandsaufnahme und Mut zur Veränderung. Denn Schule ist mehr als ein System, das funktionieren muss.

Sie ist ein Ort, an dem Zukunft entsteht!

Sabine Fink-Pomberger ist Landesobfrau des CLV Salzburg. Dieser Beitrag erschien im Editorial der Ausgabe „Schule heute“, Herbst 2026.

Bildnachweis: Bild KI generiert / ChatGPT

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